Discussion Paper 1

Neoliberalismus und Postdemokratie: Bausteine einer kritischen Gesellschaftstheorie

Gary S. Schaal & Claudia Ritzi

Zusammenfassung

Kaum ein anderes Konzept ist in den Sozialwissenschaften in den letzten Jahren so intensiv und kontrovers diskutiert worden wie die „Postdemokratie”. Dabei ist in der Literatur nach wie vor umstritten, welcher analytische Ertrag vor allem den Arbeiten von Colin Crouch zu diesem Thema innewohnt. Der vorliegende Artikel schließt an diese Kontroverse an und argumentiert, dass das Konzept der Postdemokratie einen relevanten Beitrag zum zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskurs leisten kann, da es – ähnlich wie die kritischen Gesellschaftstheorien der 1970er Jahre – dazu in der Lage ist, zahlreiche aktuelle theoretische und empirische Untersuchungen aus der Einstellungs- und Partizipationsforschung in ein analytisches Konzept zu integrieren. Allerdings wird es ihm nur dann gelingen, diesen Wert zu entfalten, wenn die theoretischen Grundlagen des Postdemokratie-Konzeptes geklärt werden. Dazu, so argumentiert dieser Artikel, ist vor allem eine Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus notwendig, der als der ideative Kern der Postdemokratie angesehen werden kann.

Abstract

“Post-Democracy” has been one of the most frequently and controversially discussed concepts of contemporary social sciences. Even today, almost ten years after the first publishing of Colin Crouch’s famous essay, researchers are arguing about the concept’s analytical value and empirical relevance. Our article comments on this discourse by stating, that post-democracy can be developed to a highly fruitful concept because it may manage to integrate some of today’s most essential research on political opinions and political behavior. But to be able to do so it will have to take neoliberalism – which can be seen as the ideative core of post-democracy – more strongly into account than it has been done so far.

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