Discussion Paper 2

Die Ökonomisierung des Politischen. Entdifferenzierungen in kollektiven Entscheidungsprozessen

Matthias Lemke

Zusammenfassung

Ökonomisierung beschreibt sowohl die Ergebnis- wie auch die Begründungsdimension einer anhand von Marktlogiken plausibilisierten Politik. Die Begründungsdimension von Ökonomisierung kann – mit Wendy Brown und Michel Foucault – als eine konstruierte und daher variable Rationalität kollektiv verbindlichen Entscheidens begriffen werden. Angesichts der gegenwärtigen hegemonialen Position des Neoliberalismus als ökonomische Begründungsfolie in der Postdemokratie, präsentiert der Artikel die Vorbedingungen sowie die Inhalte dieser deutungsmächtigen Erscheinungsform von Ökonomisierung. Während sie als hegemoniale Begründungsfigur überhaupt erst nach der Aufklärung und der dort erfolgten Emanzipation von Politik und Ökonomie denkbar wird, lässt sich in konkreten neoliberalen Begründungsprojekten seit dem Ende der 1970er Jahre ein gemeinsamer „Markenkern“ entlang der Topoi „weniger Staat/mehr individuelle Verantwortung“ identifizieren. Die durch die Hegemonie neoliberaler Begründungen erzeugte Entdifferenzierung von Begründungsvielfalt in der repräsentativen Demokratie bestätigt den postdemokratischen Krisenbefund einer zunehmend konsensgeprägten Sphäre des Politischen.

Abstract

“Marketization” describes both the results and the reasons of contemporary political decision-making, which seems to be widely based on market logic. This article focuses on the dimension of reasoning. It argues that political reasoning – refering to Wendy Brown and Michel Foucault – can be generally understood as a constructed and variable rationality, which helps to make and enforce political decisions. It further exemplifies that neoliberalism is a distinct and at the moment particularly powerful variety of marketization and can be perceived as the dominant rational in the age of post-democracy. To better understand the neoliberal hegemony, the article discusses its pre-conditions and main characteristics. Getting conceivable only after the Enlightenment and due to the emancipation of politics and economics, there have been – since the 1970’s – two clearly identifiable neoliberal topoi: „less government” and “more individual responsibility“. Also the de-differentiation of (generally accepted) justifications in representative democracies, which goes along with neoliberal hegemony, confirms the post-democratic finding that we are today faced with an increasingly consensual political sphere.

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